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Joseph von Arimatäa

Fast Jeder in Jerusalem kennt mich. Und weiß, dass ich Geschäfte mache. Und dass ich erfolgreich bin, das kann jeder sehen. Mein Haus auf dem Ölberg ist groß, reich im römisch-griechischen Stil ausgestattet. Und ich kann von meiner Terrasse auf den Tempel heruntersehen. Im Garten ließ ich mein Grab errichten. Man muss vorsorgen.
Meine Geschäfte schaffen mir Einfluss. Ich handle mit Geld. Und habe von Gott das Talent bekommen, Mangel und Überfluss zu erkennen. Und die Mittel zu finden, beides auszugleichen.
Ich bin vorurteilsfrei. Helfe allen. Römern, Griechen, Ägyptern, Babyloniern, den Menschen von den Meerinseln.
Geld ist ein Mittel. Das einem Alles verschaffen kann. Und wenn du viel Geld hast, dann kommen Andere zu dir, die Bedarf haben. Meist geht es um Macht. Denn, Macht hat immer Geld im Gefolge. Wenn sie dienlich angewandt wird. Wenn es der Macht, dem Menschen mit der Macht, nicht um Zerstörung geht. Sondern um Schaffen, Formen, Kreieren. Geld und Macht können, richtig angewandt, Möglichkeiten für mehr Macht und damit mehr Geld schaffen. Und werden sie richtig angewandt, haben alle etwas davon, der Finanzier, der Mächtige und alle Menschen im Land.
Und so verhelfe ich anderen Leuten zu Ämtern. Lenke am langen Zügel. In meinem Sinne. Und bekomme zurück. Ansehen, Freunde und schließlich Geld.
Ich halte mich an die Schrift. Und die Gesetze. Und gebe den Armen. Unterstütze Außenseiter. Ich habe eine Küche in der Altstadt eingerichtet. Wo die Armen essen können. Und Jeder gibt dort, was er kann. Und wenn er nichts geben kann, so darf er doch essen.
Ich bin niemals Partei. Ich schlage mich nie auf eine Seite. Ich bin offen, Ideologien sind schlecht fürs Geschäft. Und so habe ich immer Freunde, auf deren Hilfe ich mich verlassen kann. Und, deren Hilfe nützlich und wirksam ist.
Manchmal, wenn ich gegen Morgen aufwache, frage ich mich, was Gott wohl von mir denken mag. Lazarus meint, Gott liebt uns. Und ich hoffe, dass es so ist. Denn, bei meiner Art von Geschäft macht man Fehler. Ich mache selten Fehler. Aber, manchmal erweist sich ein junger, ehrgeiziger Mann dann doch als Despot. Wenn er die Möglichkeiten dazu hat. Und ich ihm zu den Möglichkeiten verholfen habe. Und es werden Menschen gemordet und gefoltert. Und das wäre nicht, wenn ich nicht zu den Wünschen des jungen Mannes Ja gesagt hätte. Und ich fühle mich schuldig. Obwohl ich es nicht so geplant hatte. Nicht vorgesehen hatte. Nicht vorhergesehen hatte. Aber, ich habe es möglich gemacht. Und das gibt mir meinen Teil Schuld. Und das Morden ist dann mein Morden, ich habe dem Mörder das Schwert in die Hand gegeben. Ich hätte es vermeiden können. Wenn ich mich nicht hätte täuschen lassen. Und den nicht jungen, ehrgeizigen Mann unter- oder falsch eingeschätzt hätte.
Und dann hoffe ich, dass Gott mich liebt. Und mir vergibt. Und nicht bestraft. Für meine Nachlässigkeit. Man muss vorsorgen.

Simon Zelotes kam von einer Reise aus dem Norden zurück. Simon gehört einer kleinen Gruppe an, die sich seit langem um die Freiheit unseres Landes bemüht. Ich halte diese Gruppe für harmlose Träumer. Die von nie ausgeführten, unausführbaren Plänen schwärmt. Mir scheinen sie alle nie richtig erwachsen geworden zu sein. Und spielen immer noch Jugendspiele. Wo man die Bösen mit einem Schwertstreich vertreibt. Und die Bösen einsehen, dass sie böse sind. Und sich beeindruckt zurückziehen. Und den Guten das Feld überlassen. Freiwillig. Ohne Gegenwehr.
Nun ist unsere Welt aber anders gebaut. Die Mittel entscheiden. Und die Mittel der Zeloten sind beschränkt. Die Zeloten kümmern sich zu viel um ihre Träume. Und zu wenig um ihre Geschäfte. Meiner Meinung nach. Simon bemüht sich seit Jahren mich für seine Ideen zu gewinnen. Und meine Mittel. Aber, ich nehme nie Partei. Schließe aber auch Niemanden aus.
Simon erzählte mir von dem Jungen, den Zeichen, den Prophezeiungen. »Es ist der versprochene Messias. Ich bin ganz sicher. «
Die Geschichte hörte sich, wie alle Pläne der Zeloten, ziemlich wirr an. Allerdings, wenn Simon recht hatte und Gott direkt eingriff, dann bekam das ein anderes Gewicht. Gott verfügt über alle Mittel dieser Welt. Und das machte zu bisher einen ziemlichen Unterschied.
»So ein Projekt ist ziemlich langfristig. Zwanzig Jahre und mehr. Der Junge muss erwachsen werden. Denn, einem Kind wird keiner folgen wollen. Auch einem außergewöhnlichen Kind nicht. «, gab ich zu bedenken.
»Ich weiß. Der Junge muss vorbereitet werden. Erzogen. Gebildet. «
»Nun, das wird kosten. Mehr als du und die anderen habt. « Ich kalkulierte in Gedanken den Aufwand. Eine kleine Investition. Verglichen mit meinen anderen Unternehmungen.
»Ja. Und mir fehlen die Kontakte. «
Mir fiel Lazarus ein. Der in einem der hinteren Räume immer noch vergeblich auf Menschen wartete. Seine Ansichten waren durchaus brauchbar. Und er hatte einen Mangel. Den ich füllen konnte. »Da sehe ich eine Möglichkeit. Komm mit. «
Lazarus saß, stumm, mit dem Gesicht zur geöffneten Tür. Thomas, sein Schüler, war nicht da. »Ich habe ihn zum Markt geschickt. Vielleicht trifft er Jemanden, der interessiert ist. «, begrüßte uns der Essener.
»Dies ist Simon. Er sucht für ein Kind, das der Messias sein könnte, einen spirituellen Lehrer. «, stellte ich die Männer einander vor.
Simon erzählte, was er im Norden angetroffen hatte. »Und jetzt suche ich einen Griechen. Der dem Jungen Latein und Griechisch beibringt. Und um die Philosophen und ihre Lehren weiß. Und Einen, der dem Jungen die Schrift und das Wesen Gottes nahe bringt. «
»Dürfte ich Thomas mitbringen? Er muss noch viel lernen. Und ist noch nicht fertig. «
Auf einen Schüler mehr kam es nicht an. Vermutlich würde sich Lazarus sogar mit drei Schülern besser fühlen. Er neigte dazu, seinen Erfolg an einfachen Zahlen festzumachen. »Ja. «, beschloss ich.
»Dann bin ich dabei. «, sagte Lazarus zu.
Und Simon staunte, wie einfach sich seine Probleme bei mir lösten. »Nun brauche ich nur noch den Griechen. «
»Ich habe einen Mitbruder bei den Essenern. Jakobus, genannt der Ältere. «, schlug Lazarus uns vor. »Er ist zwar kein Grieche. Aber er kann die Sprache. Und Latein. Und kennt die Philosophen. Er hat sogar Papyri. «
»Dann ist er unser Mann. « Preiswerter konnte ich das nirgends bekommen. »Ich schicke ihm einen Boten. Er soll uns besuchen. Und dann entscheiden. « Für mich war die Entscheidung bereits klar. Jakobus würde zustimmen. Welcher Essener würde sich so eine Gelegenheit entgehen lassen? »Und dann reist ihr gemeinsam in den Norden. «
Wir tranken den süßen Wein aus Samos. Auf unser Projekt.
Und dann wandte ich mich wieder meinen wirklichen Geschäften zu. Ein Römer wollte eine Statthalterschaft. Unsere. Und ich würde sie ihm kaufen. 

 

 

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